2009/11/12
Das Paradoxon von Social Games
Tags:
Internetdienste,
Social Software
Facebook "alt", wenn man so will, bestand darin, Freunde und Bekannte miteinander zu vernetzen und ihnen zu ermöglichen, Neuigkeiten auszutauschen. Der Begriff "Freund" erfuhr schon damals eine gewisse Aufweichung, denn längst nicht jeder, den man seinem Netzwerk hinzugefügt ("geadded") hat, verdiente die Bezeichnung "Freund" im herkömmlichen Sinne. Die Entwicklung, die sich allerdings im Facebook "neu" vollzieht, ist regelrecht paradox. Der Vormarsch an Social Games, bei denen man sich in und über Spiele mit anderen Facebook-Usern misst, führt zu einer rasanten Ausweitung an "Freundschaften" zwischen Personen, die einander nicht einmal kennen!
Der Newsfeed ...
Facebook-Usern und NutzerInnen anderer sozialer Netzwerke ist der "Newsfeed" geläufig - jene chronologische Auflistung all jener Einträge, die die NutzerInnen im persönlichen Netzwerk in letzter Zeit vorgenommen haben. "Silvia hat gerade die neueste Folge von Dr. House geschaut", kann man dort lesen. Oder "Bernhard ist müüüüüde". Selten Weltbewegendes, zugegebenermaßen - aber durchaus interessant für die Personen, die Silvia und Bernhard kennen. Es ergibt sich möglicherweise eine weiterführende Unterhaltung und Freunde sind wieder miteinander in Kontakt getreten und haben etwas Neues über einander erfahren.
... wird zusehends von automatischen Einträgen zugespammt Immer öfter hat man heutzutage jedoch Schwierigkeiten, in diesem Newsfeed die wirklich relevanten Einträge von FreundInnen zu entdecken, da die Mehrzahl der Einträge aus Mitteilungen besteht, die diverse Facebook-Applikationen automatisch veröffentlichen: Resultate von Quizzes, an denen User teilgenommen haben, persönliche Horoskope, Weissagungen oder zufällig generierte Sprüche - oder erreichte Leistungen in einem der vielen Social Games, die Usern in Facebook zur Verfügung stehen. Die Zahl solcher automatisch generierter Einträge hat derart Überhand genommen, dass sich viele User Gruppen anschließen, die der "guten alten Zeit" nachtrauern und sich eine Rückkehr zu Facebook "alt" wünschen - in eine Zeit, als man sich noch etwas zu sagen hatte.
Vom Gärtnern bis zur Verbrecherkarriere Social Games sind der neue Renner in sozialen Netzwerken. Es handelt sich zumeist um klassische Spielkonzepte - Aufbausimulationen -, die derart umgebaut wurden, dass SpielerInnen nicht mehr alleine vor oder gegen den Computer spielen, sondern gegen ihre "richtigen Freunde" aus dem Netzwerk. In "Farmville" kann man zum Beispiel ähnlich wie im Nintendo Klassiker "Harvest Moon" einen Bauernhof bestellen, in "Happy Aquarium" ein Aquarium samt Fischbestand hegen und pflegen oder in "Mafia Wars" einer Verbrecherkarriere nachgehen. All die genannten Spiele versuchen User dazu bringen, möglichst viel Zeit auf der Plattform zu verbringen und regelmäßig zurückzukommen. Daher charakterisieren zwei Eigenschaften alle unterschiedlichen Konzepte: Sämtliche Aktionen innerhalb des Spiels verlangen das Einhalten eines genauen Zeitplans (Erdbeeren müssen z.B. in "Farmville" nach genau vier Stunden geerntet werden, sonst verfaulen sie und bringen kein Geld mehr ein) und nur das Überzeugen von immer mehr Freunden, auch beim Spiel mitzumachen (Sammeln von "Nachbarn") ermöglicht das Erreichen hoher Levels bzw. bestimmter Spielziele.
Freundesinflation ... So kommt es zu einer regelrechten Inflation an so genannten "Freunden". Um in "Mafia Wars" z.B. möglichst große Chancen im Kampf gegen andere, fremde Spieler zu haben, braucht man eine große Anzahl an Mitgliedern der eigenen "Mafia". Im Idealfall 501 Stück. Da wohl kaum jemand über 501 "echte" Freunde verfügt, die sich zudem noch vom Mafia-Fieber anstecken lassen, kommt es zur Bildung von Zweckgemeinschaften. Einander vollkommen fremde Personen "adden" sich gegenseitig, um die Mafia des jeweils anderen zu vergrößern und noch kampfstärker zu machen. Soweit so gut. Wäre da nicht noch das "normale" Facebook neben dem Spiel. Denn Mafia-Zweckfreunde sind automatisch auch Freunde im sozialen Netzwerk - mit allen Folgen, die damit verbunden sind: Neuigkeiten tauchen im Newsfeed auf, man hat Zugriff auf Bilder und persönliche Daten des anderen, etc.
... führt zur Entwertung von Freundschaft Ein "Freund" im Netzwerk zu sein bedeutet somit immer weniger. Oft ist man bestenfalls Spielkamerad und auch das nicht, weil ein echtes Interesse der SpielerInnen aneinander besteht, sondern nur um die Mafia, die Gärtnergemeinschaft oder das Aquariumnetzwerk zahlenmäßig zu erweitern und damit ein Vorankommen im eigenen Spiel zu ermöglichen. Social Games sind hier nicht sozial, kooperativ - das Erreichen von Zielen erfordert keine echte Zusammenarbeit oder Kommunikation, was durchaus zu unterstützen wäre. Hingegen geht es meist einfach um das Sammeln von Karteileichen, was letztendlich nur zum Erreichen eines Zieles führt: Das Spiel erfährt eine immer größere Verbreiterung, immer mehr User greifen darauf zu - und konsumieren die reichhaltig verteilte Werbung. Eigentlich genial - aber eher verwerflich, welches Schindluder hier im Namen der Freundschaft getrieben wird.
... wird zusehends von automatischen Einträgen zugespammt Immer öfter hat man heutzutage jedoch Schwierigkeiten, in diesem Newsfeed die wirklich relevanten Einträge von FreundInnen zu entdecken, da die Mehrzahl der Einträge aus Mitteilungen besteht, die diverse Facebook-Applikationen automatisch veröffentlichen: Resultate von Quizzes, an denen User teilgenommen haben, persönliche Horoskope, Weissagungen oder zufällig generierte Sprüche - oder erreichte Leistungen in einem der vielen Social Games, die Usern in Facebook zur Verfügung stehen. Die Zahl solcher automatisch generierter Einträge hat derart Überhand genommen, dass sich viele User Gruppen anschließen, die der "guten alten Zeit" nachtrauern und sich eine Rückkehr zu Facebook "alt" wünschen - in eine Zeit, als man sich noch etwas zu sagen hatte.
Vom Gärtnern bis zur Verbrecherkarriere Social Games sind der neue Renner in sozialen Netzwerken. Es handelt sich zumeist um klassische Spielkonzepte - Aufbausimulationen -, die derart umgebaut wurden, dass SpielerInnen nicht mehr alleine vor oder gegen den Computer spielen, sondern gegen ihre "richtigen Freunde" aus dem Netzwerk. In "Farmville" kann man zum Beispiel ähnlich wie im Nintendo Klassiker "Harvest Moon" einen Bauernhof bestellen, in "Happy Aquarium" ein Aquarium samt Fischbestand hegen und pflegen oder in "Mafia Wars" einer Verbrecherkarriere nachgehen. All die genannten Spiele versuchen User dazu bringen, möglichst viel Zeit auf der Plattform zu verbringen und regelmäßig zurückzukommen. Daher charakterisieren zwei Eigenschaften alle unterschiedlichen Konzepte: Sämtliche Aktionen innerhalb des Spiels verlangen das Einhalten eines genauen Zeitplans (Erdbeeren müssen z.B. in "Farmville" nach genau vier Stunden geerntet werden, sonst verfaulen sie und bringen kein Geld mehr ein) und nur das Überzeugen von immer mehr Freunden, auch beim Spiel mitzumachen (Sammeln von "Nachbarn") ermöglicht das Erreichen hoher Levels bzw. bestimmter Spielziele.
Freundesinflation ... So kommt es zu einer regelrechten Inflation an so genannten "Freunden". Um in "Mafia Wars" z.B. möglichst große Chancen im Kampf gegen andere, fremde Spieler zu haben, braucht man eine große Anzahl an Mitgliedern der eigenen "Mafia". Im Idealfall 501 Stück. Da wohl kaum jemand über 501 "echte" Freunde verfügt, die sich zudem noch vom Mafia-Fieber anstecken lassen, kommt es zur Bildung von Zweckgemeinschaften. Einander vollkommen fremde Personen "adden" sich gegenseitig, um die Mafia des jeweils anderen zu vergrößern und noch kampfstärker zu machen. Soweit so gut. Wäre da nicht noch das "normale" Facebook neben dem Spiel. Denn Mafia-Zweckfreunde sind automatisch auch Freunde im sozialen Netzwerk - mit allen Folgen, die damit verbunden sind: Neuigkeiten tauchen im Newsfeed auf, man hat Zugriff auf Bilder und persönliche Daten des anderen, etc.
... führt zur Entwertung von Freundschaft Ein "Freund" im Netzwerk zu sein bedeutet somit immer weniger. Oft ist man bestenfalls Spielkamerad und auch das nicht, weil ein echtes Interesse der SpielerInnen aneinander besteht, sondern nur um die Mafia, die Gärtnergemeinschaft oder das Aquariumnetzwerk zahlenmäßig zu erweitern und damit ein Vorankommen im eigenen Spiel zu ermöglichen. Social Games sind hier nicht sozial, kooperativ - das Erreichen von Zielen erfordert keine echte Zusammenarbeit oder Kommunikation, was durchaus zu unterstützen wäre. Hingegen geht es meist einfach um das Sammeln von Karteileichen, was letztendlich nur zum Erreichen eines Zieles führt: Das Spiel erfährt eine immer größere Verbreiterung, immer mehr User greifen darauf zu - und konsumieren die reichhaltig verteilte Werbung. Eigentlich genial - aber eher verwerflich, welches Schindluder hier im Namen der Freundschaft getrieben wird.
- Category(s)
- Internetdienste
- Social Software


